Schmerz bleibt Schmerz und eine Narbe wird immer bleiben


Manchmal erinnerst du dich jahrelang nicht daran. Du bist im Frieden und es geht dir gut. Und dann kommt eine Nachricht, ein Himmelsereignis oder dir fällt ein Foto in die Hände – und schwupps ist er wieder da.
Im besten Fall nicht mehr so stark, nicht mehr so stechend, nicht mehr wie ein schwarzes Loch, das alles vereinnahmt. Er ist eine Erinnerung an das, was geschehen ist. Ein Zeichen dafür, dass dir etwas lieb Gewonnenes verloren gegangen ist – und dass dieser Verlust den Schmerz damals überhaupt erst ausgelöst hat.
Schmerz ist immer auch ein Aufleuchten
Ich habe nicht den Anspruch an mich, dass der Schmerz vollständig vergeht, nachdem ich mich mit ihm auseinandergesetzt habe. Heilen bedeutet für mich nicht, dass ich alles auflöse und danach ist Friede, Freude, Eierkuchen. Heilen bedeutet für mich, dass ich meine Perspektive und meine Beziehung zum Ereignis und zu den damit verbundenen Gefühlen verändere.
Vielleicht geht es darum, Frieden damit zu machen. Fast immer geht es um Vergebung. Manchmal möchte man noch etwas aussprechen, was man damals nicht gesagt hat, oder einen Seelenvertrag lösen, der mit den Gefühlen verknüpft ist. Möglicherweise ist ein Glaubenssatz entstanden oder hat sich gefestigt, den man loslassen darf, um weitergehen zu können.
Vielleicht musst du noch erkennen, warum dich dieser Schmerz noch so trifft. Erkennen, was dir damals vermeintlich genommen wurde. Und er darf unbedingt auch im Körper gelöst werden.
All das verändert nicht das Ereignis. Es verändert nur den Blick darauf. Es verändert, wie wir damit umgehen und was wir vielleicht darauf aufbauen. Es verändert, wie wir zukünftig über gewisse Ereignisse denken und sie fühlen.
Der Schmerz wird damit nicht vollständig verbannt
Doch du verlierst dich danach im Idealfall auch nicht mehr darin. Es geht darum, eine innere Balance zu finden.
Und dann ist es auch okay, wenn er dich an einem stinknormalen Dienstag hinterrücks überfällt und «Überraschung!» ruft. Denn du weisst: Er ist nur kurz zu Besuch, um dich an etwas zu erinnern.
Vielleicht möchtest du ihn kurz umarmen, dir selbst Mitgefühl schenken oder noch einmal genau hinschauen, was er dir mit seinem Besuch zeigen will. Und dann lässt du ihn wieder los.
Bis zum nächsten Mal.
Dann vielleicht schon wieder ein Stück sanfter.
Herzlich, Ursina




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